FORE! – Der fliegende Golftrolley

Leo Löwenherz war von Anfang an ein Golfhund. Jedenfalls theoretisch. Während andere Welpen Stöckchen apportierten, durfte der kleine Red-Merle-Junge schon früh Golfplatzluft schnuppern.
Als er alt genug war, einige Löcher mitzulaufen, beschlossen Frauchen und ihre Golfpartnerin, es einfach auszuprobieren. Die Golfpartnerin mochte Hunde sehr gern. Dass Leo mitkommen durfte, stand also außer Frage.
Leo: „Mama? Wo gehen wir hin?“
Mama: „Auf den Golfplatz, mein Schatz.“
Leo: „SUPER! Was spielen wir?“
Mama: „Golf.“
Leo: „MIT BÄLLEN?!“
Mama: „Ja. Aber die Bälle sind nicht für dich.“
Leo: „Das klingt nach einem organisatorischen Missverständnis.“
Zunächst lief alles erstaunlich gut. Frauchen machte ihre ersten Schläge, und immer blieb jemand am Golftrolley, um bei Bedarf auf Leo einwirken zu können.
Leo beobachtete die Sache. Frauchen holte aus, ein Ball flog los, alle blieben entspannt. So weit, so gut.
Mama: „Siehst du, Leo? Das klappt doch prima.“
Leo: „Natürlich. Ich bin schließlich ein professioneller Golfbegleithund.“
Die Golfpartnerin: „Na, dann können wir den Trolley ja kurz stehen lassen.“
Ein Satz, der rückblickend einen ganz eigenen Platz in der Familiengeschichte verdient.
Der Trolley stand. Die Schläger steckten im Bag. Die Bälle lagen an ihrem Platz. Die Tees ebenfalls. Frauchen stellte sich zum nächsten Schlag auf.
Sie holte aus.
Sie schlug.
Der Ball flog.
Und in Leos Kopf ertönte ein Startsignal.
Leo: „B A L L !!!“
Mama: „LEO, NEIN!“
Leo: „ICH HAB IHN! ICH HAB IHN GLEICH!“
Leo wollte hinterher. Sofort. Mit vollem Aussie-Einsatz.
Nur hatte der kleine Jäger einen entscheidenden Bestandteil seiner Ausrüstung offenbar vergessen: den Golftrolley am anderen Ende seiner Leine.
Der Trolley kippte um.
Schläger flogen durcheinander. Bälle kullerten über den Boden. Tees verteilten sich in alle Richtungen. Und mittendrin stand ein kleiner, kläffender Aussie, dessen großartige Ballverfolgungsjagd völlig unerwartet gestoppt worden war.
Leo: „WUFF! WUFF! WAAAAH!“
Mama: „LEO!!!“
Leo: „MAMA! WAS WAR DAS DENN?!“
Mama: „DU HAST DEN TROLLEY UMGERISSEN!“
Leo: „ICH?! DER HAT MICH DOCH FESTGEHALTEN!“
Mama: „WEIL DU DEM BALL HINTERHERWOLLTEST!“
Leo: „JA! UND JETZT IST ER WEG! UND ÜBERALL LIEGEN ERSATZBÄLLE!“
Frauchen blickte auf den umgekippten Trolley. Auf die verstreuten Schläger. Auf die Bälle und Tees. Und auf ihren kleinen bunten Jungen, der sich über die plötzliche Vollbremsung offenbar mindestens genauso empörte wie über den entkommenen Golfball.
Die Golfpartnerin: „Also … langweilig wird es mit ihm jedenfalls nicht.“
Mama: „Das hatte ich auch nicht befürchtet.“
Leo: „Mama? Wenn wir hier fertig sind, würde ich gern den Ball suchen.“
Mama: „Du bleibst jetzt erst mal schön bei uns.“
Leo: „Schade. Ich war kurz davor, ein richtig guter Golfhund zu werden.“
Und so endete einer von Leos ersten Ausflügen über mehrere Golflöcher mit einer neuen Erkenntnis: Golfbälle dürfen fliegen. Golftrolleys sollten es möglichst nicht.
WAS BLEIBT Im Herbst 2025 war der kleine Aussie noch so begeistert von fliegenden Bällen, dass ein einziger Abschlag genügte, um den Golftrolley samt Ausrüstung umzuwerfen. Heute begleitet Leo Frauchen auf privaten Golfrunden – und die Geschichte vom fliegenden Trolley gehört zum Glück zu den frühen, sehr turbulenten Kapiteln.
Die Leo-Löwenherz-Chroniken · Nach wahren Erlebnissen. Die Gespräche sind liebevoll erfunden.