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Kapitel 10 von 16

Social Walk – oder: Der Tag, an dem Frauchens T-Shirt kapitulierte

Spätfrühling / Frühsommer 2026 · Trimm-dich-Pfad Kitzingen
Illustration zu Kapitel 10

Es war einmal ein Frauchen, das eine wirklich gute Idee hatte.

„Wir machen einen Social Walk!“

Ein gemeinsamer Spaziergang mit vier oder fünf anderen Hunden. Eine wunderbare Gelegenheit, Sozialverhalten zu üben, fremde Hunde kennenzulernen und ganz entspannt miteinander unterwegs zu sein.

Zumindest stand das so ungefähr auf dem gedanklichen Programm.

Mama: „Leo, heute machen wir einen Social Walk.“

Leo: „Einen WAS?“

Mama: „Einen gemeinsamen Spaziergang mit anderen Hunden.“

Leo: „MIT ANDEREN HUNDEN?!“

Mama: „Ja. Und wir bleiben dabei schön ruhig.“

Leo: „Natürlich, Mama. Ich bin schließlich ein wohlerzogener Aussie.“

Das war, wie sich herausstellen sollte, eine ziemlich optimistische Selbsteinschätzung.

Am Trimm-dich-Pfad in Kitzingen trafen wir auf die anderen Teilnehmer. Vier oder fünf Hunde. Vier oder fünf Menschen. Und einen kleinen Red-Merle-Aussie, dessen inneres Erregungsbarometer bereits beim Anblick der Gruppe bedenklich ausschlug.

Leo: „MAMA! HUNDE!“

Mama: „Ja, Leo. Deswegen sind wir hier.“

Leo: „SO VIELE!“

Mama: „Wir gehen einfach schön mit.“

Leo: „JA! MITGEHEN! HUNDE! WALD! ALLES GLEICHZEITIG!“

Anfangs versuchte Mama noch, die Situation einigermaßen zu begleiten. Doch Leo drehte immer weiter auf. Die anderen Hunde waren da. Sie bewegten sich. Sie rochen interessant. Und überhaupt passierten viel zu viele Dinge gleichzeitig.

Mama: „Leo, schau mal zu mir.“

Leo: „KEINE ZEIT!“

Mama: „Leo!“

Leo: „MAMA, ICH MUSS HIER GERADE FÜNF HUNDE GLEICHZEITIG VERARBEITEN!“

Mama: „Leo, komm mal runter.“

Leo: „ICH BIN DOCH UNTEN! ICH HAB VIER PFOTEN AUF DEM BODEN!“

Das sollte sich allerdings gleich ändern.

Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem bei Herrn Löwenherz sämtliche Sicherungen durchbrannten. Der kleine Aussie war völlig überdreht und nicht mehr ansprechbar. Und weil er mit all seiner Aufregung offenbar nicht mehr wusste, wohin, richtete er seinen Frust plötzlich gegen Mama.

Leo: „AAAAAAAAAH!“

HÜPF!

Mama: „LEO!“

SPRING!

Mama: „HÖR AUF!“

Leo: „ICH! WEISS! GERADE! SELBST! NICHT! WAS! ICH! WILL!“

Und dann passierte es.

SCHNAPP! Leo erwischte Mamas T-Shirt. Zum Glück wirklich nur das T-Shirt. Doch dieses Kleidungsstück war auf eine Begegnung mit einem völlig überdrehten Mini-Aussie nicht vorbereitet gewesen.

RRRRATSCH!

Mama schaute an sich herunter. Das T-Shirt war zerrissen. Mitten im Wald. Auf einem Social Walk. Mit anderen Hundehaltern. Und am anderen Ende der Leine stand der Verursacher: Seine königliche Pöbeligkeit, Prinz Leo Löwenherz der Erste.

Mama: „LEO!!! DU HAST MIR MEIN T-SHIRT ZERRISSEN!!!“

Leo: „…“

Mama: „MITTEN IM WALD!!!“

Leo: „…“

Mama: „WIR WOLLTEN DOCH NUR EINEN NETTEN SPAZIERGANG MACHEN!“

Leo: „Mama?“

Mama: „WAS?!“

Leo: „Ich glaube, der Social Walk läuft nicht so gut.“

Nein, Leo. Das konnte man wohl sagen. Da stand Mama nun. Mit einem zerrupften T-Shirt. Mit einem Hund, der völlig außer sich geraten war. Und vermutlich mit der leisen Frage, ob man einen Mini-Aussie eigentlich auch wieder beim Hersteller zurückgeben konnte.

Mama: „Leo, ich wollte einen entspannten Spaziergang!“

Leo: „Ich hab alles gegeben.“

Mama: „DAS WAR DAS PROBLEM!“

An diesem Tag hatte keiner von beiden besonders viel Spaß. Und von einem harmonischen gemeinsamen Spaziergang waren sie ungefähr so weit entfernt wie Leo von einer Karriere als Yogalehrer.

Aber die Geschichte war hier noch nicht zu Ende. Denn dieser kleine, völlig überforderte Pöbelprinz sollte nur wenige Monate später seine Begleithundeprüfung bestehen. Er sollte lernen, auf dem Hundeplatz zwischen unbekannten Hunden konzentriert zu arbeiten. Er sollte bei Katzen ruhig bleiben, einen Igel in Frieden lassen und sich sogar von einem keifenden Jack Russell abwenden können.

Und irgendwann würde Mama bei einer Hundebegegnung ganz selbstverständlich sagen: „Komm, Leo. Wir gehen weiter.“ Und Leo würde einfach mitgehen. Ohne Theater. Ohne Eskalation. Und vor allem: OHNE FRAUCHENS GARDEROBE ZU ZERSTÖREN!

WAS BLEIBT Dieser Social Walk war kein schöner Trainingserfolg. Leo war so überfordert, dass er sich nicht mehr regulieren konnte und seinen Frust an Mama ausließ. Das war belastend und nicht ungefährlich. Aber es gehört zu ihrer Geschichte. Heute kann Leo viel besser mit aufregenden Begegnungen umgehen – und Mama erkennt besser, wann eine Situation zu viel wird. Das T-Shirt blieb zerrissen; die Geschichte ging trotzdem gut weiter.

Die Leo-Löwenherz-Chroniken · Nach wahren Erlebnissen. Die Gespräche sind liebevoll erfunden.