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Kapitel 16 von 16

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Sommer bis Herbst 2026 · Der Weg zum Begleithund
Illustration zu Kapitel 16

Es gab eine Zeit, da hielt Leo Löwenherz andere Hunde grundsätzlich für eine Zumutung. Manche musste man anbellen. Andere musste man anschreien. Und wieder andere musste man so lange anstarren, bis Mama vorsorglich die Straßenseite wechselte.

Nach dem legendären Social Walk, bei dem nicht nur sämtliche Nerven, sondern auch Mamas T-Shirt kapituliert hatten, war jedenfalls eines klar: Dieser kleine Aussie brauchte eine Aufgabe. Und zwar möglichst eine, bei der die Garderobe seiner Menschen unbeschädigt blieb.

Also begann das Begleithundetraining. Dienstags, 18:30 Uhr. Kitzinger Welpenschule.

Mama: „Leo, wir gehen jetzt zum Training.“

Leo: „Super! Was trainieren wir?“

Mama: „Gehorsam.“

Leo: „WESSEN GEHORSAM?“

Mama: „Deinen.“

Leo: „Ach so. Schade. Ich hätte da nämlich ein paar Verbesserungsvorschläge für dich.“

DIE SACHE MIT DEN VIELEN HUNDEN

Auf dem Hundeplatz warteten andere Mensch-Hund-Teams. Viele andere Hunde. Und Leo hatte dazu zunächst eine ziemlich klare Meinung.

Leo: „MAMA!“

Mama: „Ja, Leo.“

Leo: „DA SIND HUNDE!“

Mama: „Ich weiß.“

Leo: „GANZ VIELE!“

Mama: „Deshalb sind wir in der Hundeschule.“

Leo: „ACH SO!“

Leo: „MUSS ICH DIE JETZT ALLE BEGRÜSSEN?“

Mama: „Nein.“

Leo: „ALLE ANBELLEN?“

Mama: „Auch nicht.“

Leo: „JA, WAS SOLL ICH DENN DANN HIER?!“

Mama: „Mit mir arbeiten.“

Leo überlegte.

Leo: „Mit dir?“

Mama: „Ja.“

Leo: „MIT KEKSEN?“

Mama: „Natürlich.“

Leo: „NA, WARUM SAGST DU DAS NICHT GLEICH?!“

Und so begann eine Entwicklung, die Mama selbst wohl kaum für möglich gehalten hätte.

DIE TRAINERINNEN UND DER ERNST DES LEBENS

Das Training wurde von einer erfahrenen Haupttrainerin geleitet, die von zwei Co-Trainerinnen unterstützt wurde. Und alle drei hatten es mit einer ziemlich bunten Truppe zu tun.

Da waren unter anderem Veda, Edda, Milo, Auri, Rosa, Bella, Oak, Carly und natürlich Leo. Jeder Hund brachte seine Eigenheiten mit. Und Leo brachte gleich eine ganze Sammlung davon.

Die Haupttrainerin: „So, wir machen jetzt Fußarbeit.“

Leo: „MAMA! SIE HAT FUSS GESAGT!“

Mama: „Ja, Leo.“

Leo: „ICH KANN FUSS!“

Mama: „Dann zeig mal.“

Leo: „SEHR GERNE!“

Und Leo zeigte. Mit Begeisterung, mit Aufmerksamkeit und gelegentlich mit einer Portion Extra-Schwung, die in keiner Prüfungsordnung ausdrücklich vorgesehen war.

Die erste Co-Trainerin: „Das sieht doch schon richtig schön aus!“

Leo: „MAMA! HAST DU GEHÖRT?!“

Mama: „Ja, Leo.“

Leo: „ICH BIN SCHÖN!“

Mama: „Deine Fußarbeit, Leo. Deine Fußarbeit.“

Leo: „SAG ICH DOCH!“

Und auch die zweite Co-Trainerin hatte alle Hände voll zu tun, wenn die Gruppe gemeinsam übte. Schritt für Schritt wurde aus vielen einzelnen Übungen ein eingespielter Ablauf.

EIN GANZ BESONDERES GANGBILD

Irgendwann bekam Mama beim Training ein Kompliment, das sie so schnell nicht vergessen würde: Leo habe eines der schönsten Gangbilder.

Und tatsächlich: Wenn Leo konzentriert neben Mama lief, konnte man kaum übersehen, wie viel Freude er an dieser gemeinsamen Arbeit hatte.

Leo: „Mama?“

Mama: „Ja?“

Leo: „Hast du gehört?“

Mama: „Was denn?“

Leo: „SCHÖNSTES GANGBILD!“

Mama: „Ja, Leo. Das hast du wirklich toll gemacht.“

Leo: „Ich würde sagen, das liegt an meinem außergewöhnlichen Talent.“

Mama: „Und vielleicht ein kleines bisschen am Training?“

Leo: „Mama. Bitte. Wir wollen doch jetzt nicht kleinlich werden.“

Natürlich gab es weiterhin schwierige Momente. Natürlich klappte nicht jede Übung sofort. Aber immer häufiger war Leo ganz bei seiner Mama. Und die anderen Hunde? Die wurden zunehmend zur Nebensache.

FÜNF MINUTEN, DIE SICH WIE EINE EWIGKEIT ANFÜHLEN KÖNNEN

Dann war da noch die Ablage. Fünf Minuten liegen bleiben. Während ringsherum andere Hunde und Menschen unterwegs waren. Für einen jungen Aussie, der früher am liebsten jeden einzelnen Hund persönlich kommentiert hätte, eine beachtliche Aufgabe.

Mama: „Leo, Platz.“

Leo: „Okay.“

Mama: „Und bleib.“

Leo: „Okay.“

Eine Minute vergeht.

Leo: „Mama?“

Mama: „…“

Leo: „Mama, ich liege noch.“

Noch eine Minute.

Leo: „MAMA? ICH LIEGE IMMER NOCH!“

Noch eine Minute.

Leo: „ICH MÖCHTE NUR ANMERKEN, DASS ICH DAS HIER WIRKLICH GROSSARTIG MACHE!“

Und Leo blieb liegen. Auch wenn Mama sich entfernte. Auch wenn andere Hunde arbeiteten. Auch wenn die Welt um ihn herum durchaus Interessanteres zu bieten hatte als einen Platz auf dem Boden.

Was früher kaum vorstellbar gewesen wäre, wurde nach und nach möglich.

DIE KANONENKUGEL WIRD ENTWICKELT

Eine andere Übung gefiel Leo dagegen von Anfang an ausgesprochen gut: das Abrufen. Schließlich gab es dabei einen klaren Auftrag: So schnell wie möglich zu Mama!

Mama: „Leo, hier!“

Leo: „MAMAAAAAA!“

WUSCH!

Mama: „Leo, BREMSEN!“

Leo: „ICH HAB DOCH NOCH GAR NICHT ANGEFANGEN!“

Und dann saß er vor ihr. Mit diesem wunderbaren, stolzen Aussie-Gesichtsausdruck.

Leo: „TADAAAA!“

Mama: „Sehr schön, Leo.“

Leo: „NOCH MAL?!“

Mama: „Gleich.“

Leo: „ICH BIN BEREIT!“

Das Abrufen mit Vorsitz wurde zu einer seiner Paradedisziplinen. Nur die Feinabstimmung zwischen Geschwindigkeit und Bremsweg blieb gelegentlich eine Herausforderung.

Und beim anschließenden Einordnen entwickelte Leo seine ganz persönliche Spezialtechnik: den Hopser.

Mama: „Fuß.“

Leo: „HOPP! DA BIN ICH!“

Mama: „Leo, du könntest auch einfach herumgehen.“

Leo: „KÖNNTE ICH. ABER SO IST ES SCHÖNER!“

AUSGERECHNET WIR?

Je näher die Prüfung rückte, desto deutlicher wurde, wie viel sich verändert hatte. Leo konnte konzentriert ohne Leine arbeiten. Er bewältigte die Übungen auch bei Ablenkung. Er blieb liegen. Er kam auf Zuruf. Er arbeitete mit Mama zusammen, statt ständig die anderen Hunde im Blick behalten zu müssen.

Und dann fiel eine Einschätzung, die Mama besonders berührte: Leo und Mama gehörten zu den Teams mit der größten Entwicklung.

Mama: „Leo?“

Leo: „Ja?“

Mama: „Weißt du eigentlich, wie stolz ich auf dich bin?“

Leo: „Natürlich.“

Mama: „Ach ja?“

Leo: „Du schaust mich immer so an.“

Mama: „Wie denn?“

Leo: „So, als wär ich dein allerbester Hund.“

Mama: „Das bist du auch.“

Leo: „Gut. Dann sind wir uns ja einig.“

DAS LETZTE TRAINING

Beim Abschlusstraining wurde es noch einmal richtig lustig. Agility, Rally Obedience und andere kleine Aufgaben standen auf dem Programm. Die Hunde durften ohne Leine arbeiten. Und Leo? Leo blieb bei der Sache.

Leo: „Mama! Was machen wir jetzt?“

Mama: „Eine neue Aufgabe.“

Leo: „SUPER!“

Mama: „Und danach noch eine.“

Leo: „NOCH BESSER!“

Mama: „Und da drüben sind übrigens auch andere Hunde.“

Leo: „Ja, Mama. Hab ich gesehen.“

Mama: „Und?“

Leo: „WAS UND? WIR HABEN DOCH ZU TUN!“

Da stand nun derselbe kleine Red-Merle-Aussie, der Monate zuvor bei einem Social Walk so völlig überfordert gewesen war, dass er Mama das T-Shirt zerrissen hatte. Und plötzlich waren fremde Hunde nicht mehr das Wichtigste auf der Welt. Das Wichtigste war die gemeinsame Arbeit.

WAS BLEIBT Das Begleithundetraining hat Leo nicht in einen anderen Hund verwandelt. Er blieb temperamentvoll, neugierig, manchmal aufgeregt und gelegentlich ein ziemlicher kleiner Kasper. Aber er lernte, sich auf Mama zu konzentrieren, abzuwarten und Aufgaben gemeinsam zu lösen. Mama lernte, auf den richtigen Moment zu warten – auf diesen einen Blick, in dem Leo wirklich bei ihr war.

Leo: „Mama?“

Mama: „Ja, mein Schatz?“

Leo: „Sind wir jetzt fertig mit dem Training?“

Mama: „Fast. Jetzt kommt die Prüfung.“

Leo: „PRÜFUNG?!“

Mama: „Ja.“

Leo: „MIT DER HAUPTTRAINERIN?“

Mama: „Sie ist dabei.“

Leo: „MIT FUSS UND PLATZ UND HIER?“

Mama: „Genau.“

Leo: „UND MIT KEKSEN?“

Mama: „Bestimmt gibt's hinterher welche.“

Leo: „NA DANN! WORAUF WARTEN WIR NOCH?!“

Fortsetzung: Sitz. Platz. Prüfung. KANONENKUGEL!

Die Leo-Löwenherz-Chroniken · Nach wahren Erlebnissen. Die Gespräche sind liebevoll erfunden.