Freudenpfützen – oder: Wenn Begeisterung überläuft

Es gab eine Zeit, da war Leo Löwenherz noch weit davon entfernt, Prinz von Pöbel zu werden.
Damals liebte er Menschen.
Alle Menschen.
Besonders Menschen, die ihn beachteten.
Und wenn er jemanden ganz besonders toll fand, dann zeigte er das auf seine ganz eigene Weise.
Mama: „Leo, schau mal! Oma und Opa sind da!“
Leo: „WAAAAAAAAAS?!“
Mama: „Ja, mein Schatz. Besuch!“
Leo: „BESUUUUUCH!!!“
Wedel. Hüpf. Wackel. Freu.
Oma: „Ach, da ist ja unser kleiner Süßer!“
Leo: „OMAAAAAAA!!!“
Und dann geschah es.
Pssssssssss.
Mama: „LEO!“
Leo: „WAS DENN, MAMA?!“
Mama: „DU HAST OMA ANGEPINKELT!“
Leo: „JA! IST SIE NICHT TOLL?!“
Mama: „Leo, man kann sich auch anders freuen!“
Leo: „WIRKLICH?!“
Offenbar war Leo davon nicht vollständig überzeugt.
Denn das Phänomen beschränkte sich keineswegs auf die Familie.
Auch in der Welpenschule gab es Menschen, die Leo ausgesprochen bewunderte.
Zum Beispiel den Welpenschultrainer.
Einen Mann, der beruflich mit Hunden arbeitete und vermutlich schon einiges erlebt hatte.
Aber hatte er auch mit einem kleinen Aussie gerechnet, der seine Zuneigung auf ausgesprochen flüssige Weise zum Ausdruck brachte?
Trainer: „Na, Leo! Komm mal her!“
Leo: „DER TRAINER!!! MAMA!!! DER TRAINER SPRICHT MIT MIR!!!“
Mama: „Ja, Leo. Ganz ruhig.“
Leo: „ER KENNT MEINEN NAMEN!!!“
Trainer: „Na, du kleiner Kerl?“
Leo: „ICH LIEBE DICH!!!“
Pssssssssss.
Mama: „Och, Leo …“
Leo: „MAMA! ICH GLAUBE, ER MAG MICH AUCH!“
Mama: „Das hoffe ich. Immerhin braucht er jetzt vermutlich trockene Kleidung.“
So wurde aus dem kleinen Leo ein Hund, dessen Begrüßungen man besser mit einem gewissen Sicherheitsabstand entgegennahm.
Andere Welpen brachten ihren Lieblingsmenschen ein Spielzeug.
Leo brachte Begeisterung.
In flüssiger Form.
Und während Mama vermutlich am liebsten im Erdboden versunken wäre, fand Herr Löwenherz überhaupt nichts ungewöhnlich.
Mama: „Leo, du kannst doch nicht jeden anpinkeln, den du magst!“
Leo: „NICHT?!“
Mama: „Nein!“
Leo: „ABER WOHER SOLLEN DIE DENN DANN WISSEN, WIE TOLL ICH SIE FINDE?!“
Eine durchaus berechtigte Frage.
Zumindest aus der Sicht eines kleinen Aussies.
WAS BLEIBT Leo war als Welpe so aufgeregt und begeistert von manchen Menschen, dass er vor lauter Freude Urin verlor. Das war keine Absicht und keine Unart, sondern schlicht ein kleiner Hund, dessen Gefühle manchmal größer waren als seine Blasenkontrolle.
Zum Glück wurde aus dem begeisterten kleinen Springbrunnen mit der Zeit ein Hund, der seine Zuneigung zunehmend trocken zum Ausdruck bringen konnte.
Und irgendwann kam dann die Pubertät.
Plötzlich wurden aus den heiß geliebten Menschen verdächtige Gestalten.
Aus dem Freudenpinkler wurde ein Pöbelprinz.
Mama: „Leo, früher hast du dich über jeden Menschen gefreut!“
Leo: „TU ICH DOCH IMMER NOCH!“
Mama: „Du bellst sie an!“
Leo: „JA! ICH HAB MEINE KOMMUNIKATION UMGESTELLT!“
Mama: „Und warum?“
Leo: „MAMA! MAN WIRD DOCH WOHL ERWACHSEN WERDEN DÜRFEN!“
Die Leo-Löwenherz-Chroniken · Nach wahren Erlebnissen. Die Gespräche sind liebevoll erfunden.