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Kapitel 12 von 16

Wildpark Bad Mergentheim – 20 Hunde und ein völlig überarbeiteter Aussie

September 2026 · Die große Aussie-Konferenz
Illustration zu Kapitel 12

Es gibt Menschen, die fahren in einen Wildpark, um Tiere anzuschauen. Und dann gibt es Menschen, die nehmen einen jungen Mini-Aussie mit und hoffen, am Ende nicht selbst als völlig erschöpftes Ausstellungsstück zu enden.

Unser Ziel: Wildpark Bad Mergentheim. Unser Reiseleiter: keiner. Unser Reisebegleiter: Leo Löwenherz, seines Zeichens Nachwuchs-Sicherheitsbeauftragter mit sehr guter Nase und gelegentlich etwas zu großer Klappe.

Leo: „Mama? Was genau bedeutet eigentlich WILDpark?“

Mama: „Dass wir heute viele Tiere sehen.“

Leo: „Wilde Tiere?“

Mama: „Auch.“

Leo: „Und ich soll da einfach mitkommen?“

Mama: „Du darfst da einfach mitkommen. Und wir schauen, was dir guttut.“

Leo: „Gut. Ich behalte die Lage trotzdem im Auge.“

Schon auf den Wegen wurde klar: Das war nicht nur ein Wildpark. Das war offenbar auch ein inoffizielles Treffen der Australian-Shepherd-Weltgemeinschaft. Aussies in allen Farben und Fellvarianten, große und kleine, gefleckte und einfarbige – ein wunderbarer Haufen bunter Hunde. Dazu weitere Artgenossen, wohin man auch schaute. Insgesamt begegneten uns ungefähr zwanzig Hunde.

Leo: „Mama! Guck! Noch einer wie ich!“

Mama: „Ja, ein Aussie.“

Leo: „Und da! Und da drüben! Ist das hier ein Familientreffen?“

Mama: „Sieht fast so aus.“

Leo: „Dann habe ich hoffentlich nicht vergessen, etwas mitzubringen.“

Das wirklich Erstaunliche war allerdings nicht die Zahl der Hunde. Es war Leo. Früher hätte er möglicherweise jeden einzelnen Besucher mit vier Pfoten zum Anlass für eine lautstarke Pressekonferenz genommen. An diesem Tag durften die anderen Hunde einfach da sein. Er nahm sie wahr, beobachtete sie – und wir gingen weiter. Keine große Aufregung, kein Drama. Einfach ein kleiner, bunter Aussie unter vielen.

Ein besonderer Kollege begegnete uns trotzdem: ein Shiba Inu mit einem schwarzen Geschirr, auf dem unübersehbar „SECURITY“ stand. Zwei Sicherheitskräfte, ein Wildpark. Das musste natürlich dienstlich geklärt werden.

Leo: „Guten Tag, Kollege.“

Shiba Inu: „Dienst ist Dienst.“

Leo: „Alles ruhig in Ihrem Abschnitt?“

Shiba Inu: „Alles unter Kontrolle.“

Leo: „Ausgezeichnet. Dann wünsche ich weiterhin eine angenehme Schicht.“

Ein kurzes, freundliches Beschnuppern, und beide gingen wieder ihrer Wege. Die Sicherheitslage im Wildpark war offenbar ausgezeichnet.

Auch die Wildparkbewohner selbst brachten Leo nicht aus der Fassung. Hirsche, Vögel und die vielen anderen Tiere waren spannend, aber kein Grund, sich aufzuregen. Er durfte schauen, schnuppern, staunen. Und Mama schaute vor allem auf ihn: War es ihm zu viel? Brauchte er Abstand? Eine Pause? Ein bisschen Ruhe? Denn während Herrchen begeistert Tiere fotografierte, war es meine Aufgabe, die kleine Fellnase durch diesen aufregenden Tag zu begleiten.

Und dann kamen wir zu den Wölfen.

Dort blieben wir lange stehen. Hinter dem Zaun bewegte sich ein ganzes Rudel – und Leo war wie gebannt. Konzentriert, aufmerksam, neugierig. Er stand ganz brav neben mir und schaute einfach nur zu. Kein Bellen. Kein Aufdrehen. Kein „MAMA, DIE SIND ABER GROSS!“. Nur ein kleiner Aussie, der seine wilden Verwandten beobachtete.

Leo: „Mama?“

Mama: „Ja, mein Schatz?“

Leo: „Sind das etwa … Verwandte?“

Mama: „Sozusagen sehr, sehr entfernte.“

Leo: „Aha. Die sehen aus, als hätten sie noch nie ein Körbchen gesehen.“

Mama: „Vermutlich nicht.“

Leo: „Dann bleibe ich lieber bei dir. Aber gucken würde ich gern noch ein bisschen.“

Und genau das taten wir. Wir schauten. Herrchen machte Fotos von den Wölfen. Ich hatte Leo im Blick. Und Leo hatte die Wölfe im Blick. So hatte jeder seine Aufgabe – und alle waren zufrieden.

Zwischendurch begegneten uns wieder Hunde, darunter immer neue Aussies in den schönsten Farben. Einer kam näher, ein anderer blieb auf Abstand. Und Leo? Er ließ sie sein. Nicht, weil ihm alles egal gewesen wäre. Sondern weil er offenbar verstanden hatte, dass man nicht zu jedem Hund eine Meinung äußern muss. Eine erstaunlich reife Erkenntnis für Seine Königliche Pöbeligkeit.

Mama: „Weißt du eigentlich, wie stolz ich auf dich bin?“

Leo: „Wegen der Wölfe?“

Mama: „Wegen allem. Du hast dir heute so viel angeschaut und bist dabei ganz bei mir geblieben.“

Leo: „Na ja. Einer muss ja auf dich aufpassen.“

Am Ende des Tages war unser kleiner Abenteurer müde. Nicht von einer großen Eskalation, sondern von einem Tag voller Eindrücke, Gerüche, Tiere und Begegnungen. Auf den Fotos sieht man einen fröhlichen, manchmal nachdenklichen, manchmal sehr konzentrierten Leo. Was man nicht immer sieht: wie viel Aufmerksamkeit und Vertrauen hinter so einem entspannten Ausflug stecken.

Mama: „Und? Wie war dein Wildpark-Abenteuer?“

Leo: „Viele Hunde. Viele Tiere. Sehr interessante Verwandtschaft.“

Mama: „Und morgen?“

Leo: „Morgen kontrolliere ich nur unser Sofa.“

WAS BLEIBT Ungefähr zwanzig fremde Hunde, eine ganze Aussie-Konferenz, ein Shiba Inu im Sicherheitsdienst und ein Wolfsrudel, das Leo minutenlang faszinierte. Das Schönste daran war nicht, dass er „funktioniert“ hat. Sondern dass er neugierig sein durfte, ohne überfordert zu werden – weil wir gemeinsam aufeinander aufgepasst haben. Aus dem kleinen Pöbelprinzen wird nicht über Nacht ein anderer Hund. Aber immer öfter zeigt er, was schon alles in ihm steckt. ❤️

Die Leo-Löwenherz-Chroniken · Nach wahren Erlebnissen. Die Gespräche sind liebevoll erfunden.